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Es gilt heute als eine Tugend ehrgeizig zu sein. Doch bringt es dich wirklich an dein Ziel. Und was ist das Ziel überhaupt? Sind wir nicht alle davon geblendet mehr zu haben, anstatt das Leben in diesem Moment zu feiern?

Vor kurzem habe ich einen sicheren Konzernjob gekündigt. Ich hatte mich in einem Berg an Arbeit selbst verloren. Habe nicht mehr gewusst, was das Leben für mich ist, wer ich bin und was ich hier eigentlich möchte. Jetzt habe ich endlich Zeit für mein Leben und für Themen, die weiter gehen als das nächste Teamevent und der nächste Urlaub.

Vor ein paar Tagen habe ich einen Bekannten getroffen, der gemeint hat, dass es gut sei, dass ich mir eine Auszeit nehme. Dass er mich als sehr ehrgeizigen Mensch wahrnimmt, der ohnehin wieder seinen Weg finden werde. Ich habe genickt.

Was bedeutet es überhaupt, “ehrgeizig” zu sein?

Danach habe über das Wort „ehrgeizig“ nachgedacht. Bis vor kurzem hätte ich mich genauso beschrieben. Doch was bedeutet das Wort eigentlich? Es ist etwas dem menschlichen Sein zutiefst entgegengesetztes. Es ist der Geiz oder die Gier um die Ehre. Ich will noch mehr Ehre besitzen. Ich möchte vorankommen, um die Ehre für mich einzuheimsen. Wenn das auf Kosten anderer geht, dann muss ich das hinnehmen. Es ist im Grunde selbst-zentriert und steht für die Anhäufung von noch mehr Ehre, Geld oder materiellen Gütern.

Versuchen wir uns selbst zu ehren, indem wir uns genauso sein lassen wir sind.

Im Wiktionary steht als Bedeutung für „ehrgeizig“: starker Wunsch, sich vor anderen auszuzeichnen. Wir wenden uns also nach außen, um die von außen bestätigte Ehre zu erreichen. Genau dabei liegt jedoch der Fehler. Denn die Ehre, die einem jemand anderer zuteil kommen lässt, können wir nicht vollends annehmen. Deshalb streben wir immer weiter, immer höher, wollen immer mehr.

Man is Drunk with ambition.

Osho

Wir können nur wirklich zur Ruhe kommen, wenn wir in uns selbst nicht mehr das Bedürfnis erzeugen von außen Ehre zu erhalten. Wenn wir uns selbst auf unerschütterliche Art und Weise ehren. Das ist zum Teil Egoismus. In einer Welt, in der wir uns selbst immer fremder werden, ist es jedoch ein gesunder Egoismus. Denn ohne ein gewisses Maß an Selbstbezogenheit, kann der Mensch nicht aus dem Rad der gesellschaftlichen Unterdrückung ausbrechen.

Der freie Blick auf die Welt ermöglicht es erst das zu erkennen, was dich bisher unterdrückt hat.

In welcher Welt leben wir eigentlich, in der es eine Tugend ist, „ehrgeizig“ zu sein. Selbst das Wort offenbart die moralische Fragwürdichkeit der Eigenschaft. Und trotzdem, wir sehen es nicht. Weil wir gelernt haben wegzusehen. Wir müssen uns immer wieder verstellen, anpassen und zurücknehmen, um in diese Welt zu passen. Um, wie wir verinnerlicht haben, angenommen zu werden und geliebt zu werden. Deshalb haben wir es verlernt, die Welt bewusst und mit freiem Blick zu sehen, so wie es kleine Kinder tun. So bemerken wir nicht einmal die Sprache, die wir jeden Tag verwenden, die so viel von unserer inneren Verzweiflung aufzeigt.

Die meisten Menschen sind unglücklich, weil sie vom Glück zu viel verlangen. Der Ehrgeiz ist der größte Feind des Glücks, denn er macht blind.

Jean-Paul Belmondo

In dem Buch, das ich gerade lese – Erich From: Haben oder Sein – wird die Veränderung im Sprachgebrauch beschrieben. Es gibt eine zunehmende Verwendung von Hauptwörtern, während die Verwendung von Tätigkeitswörtern abnimmt. Fromm sieht es als Indiz für die Entwicklung vom Sein zum Haben. Wir versuchen alles zu besitzen – also HABE ich sogar Sehnsucht und Gefühle. Ich sehne mich nicht mehr. Ich fühle nicht mehr. Alles wird verdinglicht. Auch uns selbst verdinglichen wir, indem wir unsere Identität, das was die Umwelt von uns sieht, besitzen und erhalten wollen. Auch indem wir auf dem Karrieremarkt uns als Person handeln.

Meditiere, um die innere Stille auszuweiten und die Wahrheit zuzulassen.

In Zukunft möchte ich noch mehr auf meine Sprache achten. Denn sie gibt so viel Aufschluss darüber, wie wir die Welt sehen und kategorisieren. Sprache kann uns auch einschränken und der Frische des Moments berauben. Insbesondere wenn wir Gedanken wälzen, während wir der Welt begegnen. Denn Gedanken sind Worte und Worte sind Kategorien, die einen einschränken.

Wahrhaftig spontane Flow-Momente können nur entstehen wenn man alle Worte und Gedanken loslässt. Aus meiner Erfahrung kann das nur entstehen, wenn man die innere Stille in sich kultiviert und ausweitet. Wenn man meditiert und sich schonungslos selbst reflektiert. Wenn man sein wahres Selbst zum Vorschein kommen lässt.

Wende dich dir selbst zu und die äußere Anerkennung verliert ihre Wichtigkeit.

Ich wünsche dir, dass du den Mut aufbringst, von der rasenden Autobahn abzuspringen, und dich dir selbst zuwendest. Dann ist es auch nicht mehr notwendig ehrgeizig zu sein. Dann ziehst du keine Befriedigung mehr aus der äußeren Anerkennung und bist endlich frei. Frei, das zu sein was du tief in dir bist.

Der Weg zum Tun ist zu sein.

Lao Tzu
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