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Was kümmert mich mein Ich von morgen.

Ich gebe es zu. Auf Kosten meines Ichs von morgen, versuche ich immer wieder Mühen und Anstrengungen zu meiden. Ich tue das, was mir in diesem Moment gerade mehr Spaß macht und leicht ist. Schiebe Dinge beiseite, die eigentlich sinnvoll wären zu tun.

Selbstverständlich, ich kann morgen die Brote für die Wanderung richten, obwohl ich ohnehin um 5 Uhr aufstehen muss. Mit meinem neuen Blog anfangen kann ich auch morgen noch. Es reicht, wenn ich meiner Freundin morgen beichte, dass ich nicht zu ihrer Hochzeit kommen kann. Dieser Mann hat mich schon mehrmals verletzt und die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es morgen wieder so ist. Egal, heute gebe ich ihm noch eine Chance. Mein Ich von morgen wird sich freuen.

Morgen ist meist der stressigste Tag der Woche. (Spanische Weisheit)

Unangenehme Dinge schieben wir oft und gerne vor uns her. Lieblos gehen wir mit unserem Ich von morgen um. Über das zukünftige Ich wird einfach hinweg entschieden. Es hat keinen Verteidiger. Dabei wäre es doch so wichtig, dass wir seinen Fürsprecher aktivieren, nämlich indem wir uns bewusst machen, was wir mit unserem rücksichtslosen Verhalten unserem Ich von morgen antun. Man sabotiert sich mit diesem Verhalten unbewusst selbst und es hält uns davon ab zu wachsen.

Es wäre alles so leicht – ich muss es einfach tun.

Wenn wir heute das Jausenbrot schmieren, dann könnten wir morgen eine halbe Stunde länger schlafen. Ich könnte heute schon den ersten Schritt machen und mir einen Namen für meinen Blog überlegen. Wenn ich meiner Freundin heute schon beichte, dass ich nicht zu ihrer Hochzeit kommen kann, muss ich mir nicht weiter den Kopf zerbrechen, wie sie reagieren könnte und was das für Auswirkungen auf unsere Freundschaft hat. Und wenn ich heute realisiere, dass dieser Mann es einfach nicht ernst meint, dann bewahre ich mich vor noch mehr Herzschmerz in zwei Wochen.

Natürlich sollte man im Moment leben und hin und wieder auch seine Zukunft vergessen. Das bedeutet auch, heute einmal spontan und ausgelassen zu feiern und das Morgen zu vergessen. Und dennoch beim „auf morgen schieben“ geht es nicht darum, dass wir heute so sehr im Moment leben. Weil wir denken ja trotzdem an morgen. Und meistens stören wir mit dem Aufschieben den Flow des Lebens. Wenn wir uns dem Fluss hingeben, kommt es viel seltener zu Zwischenfällen die sich knatternd im Rad des Lebens verfangen. Wir werden später nicht von Dingen aufgehalten, die wir schon längst hätten erledigen müssen.

Wir stellen uns gegen den Flow des Lebens

Der Fachterminus des Aufschieben von Tätigkeiten heißt Prokrastination. Besonders bei größeren Aufgaben ist es vor allem mit Angst verbunden. Ich habe Angst davor etwas zu tun, mir fehlt der Mut, also schiebe ich es auf. Wir möchten, dass alles perfekt wird. Dabei scheuen wir uns davor etwas zu beginnen, weil wir befürchten, dass es eben nicht perfekt wird. Dass wir Fehler machen.

Welche Auswirkung hat es, wenn wir immer wieder nach der gleichen Methodik vorgehen und Dinge hinausschieben, verzögern und vertagen. Es ist, als würden wir ein Stück weit unser Leben verschieben. Wir machen uns was vor und werden zu spät aktiv. Das Tun rutscht in den Hintergrund, auch wenn wir viel nachdenken, passiert nichts.

Es hat auch mit Selbstliebe und Selbstvertrauen zu tun und damit sich ernst zu nehmen. Ich bin bereit heute etwas zu tun, damit es mir morgen besser geht. Meinen Traum beginne ich heute umzusetzen, weil ich an mich glaube. Tief drinnen traue ich mir bestimmte Dinge einfach nicht zu und schiebe sie deshalb vor mir her. Wir vertrauen viel zu wenig in unsere eigenen Fähigkeiten und in unsere Energie etwas umzusetzen.

Der Berg der ungelösten Probleme wird größer je länger ich warte

Wir verschwenden Zeit mit Gedanken an eine Aufgabe, die wir schon längst hätten erledigen können. Es steigt die allgemeine Unzufriedenheit, weil das Gefühl sein Leben im Griff zu haben getrübt wird. Wenn ich nicht das tue, was gut für mich wäre, wird meine Unzufriedenheit mit mir selbst steigen. Das macht es noch schwieriger zu handeln. Ein Teufelskreis.

Sich bewusst zu machen, dass der Berg größer wird und dass einen ungelöste Probleme und Themen einholen, hilft einem gegen dieses Muster anzukämpfen. Wenn ich ein Thema nicht abschließe, obwohl ich es sollte, nimmt es viel mehr Raum ein.

Bewusst entscheiden was ich tun möchte, ist der Weg aus dem Aufschieben

Das einzige Rezept dagegen, ist es mehr Bewusstsein in dein Leben zu bringen. Sich bewusst zu entscheiden, was man tut. Das Leben nicht einfach nach der Hamsterrad-Routine laufen zulassen, sondern immer die Linie einziehen: Was ist für mich das Beste? Was sind meine übergeordneten Ziele und bringt, vielleicht nicht heute aber morgen, einen Mehrwert? Dann kann die Entscheidung auch lauten – Ich möchte die Präsentation morgen früh zu Ende bringen, weil ich heute den Abend mit meiner Freundin genießen will. Dann ist es aber eine bewusste Entscheidung.

Tim Urban bringt es in seinem sehr motivierenden Ted Talk auf den Punkt –insbesondere das langfristige Aufschieben ohne Deadline bringt Unzufriedenheit hervor. Es geht darum das sofortige Befriedigung durch Spaß mit dem zukünftigen Potential abzuwägen und zu sehen was macht jetzt gerade mehr Sinn.

 

Dem Ich von morgen einen Fürsprecher geben

Das Ich von morgen sollte in meinen Überlegungen einen stärkeren Fürsprecher bekommen. Je bewusster man lebt, desto mehr wird man sich dem Fluss des Lebens hingeben. Wenn man beispielsweise bewusst Ziele formuliert und diese dann aktiv verfolgt.

Sich selbst Gutes tun zur Routine machen

Auch mit der Stärkung von Selbstliebe und Selbstvertrauen hat es zu tun. Wie gut bin ich zu mir selbst. Manche Dinge sind im Moment mühsam, haben aber zu einem späteren Zeitpunkt ein großes Zufriedenheitspotential. Dieses Potential gilt es zu erkennen.

Wenn ich heute den Artikel zu Ende bringe und auf die Homepage stelle, werde ich ein kleines Erfolgserlebnis haben. Dann wird meine Zufriedenheit mit mir selbst größer sein, als wenn ich einen ganzen Tag auf Netflix verbracht hätte. Obwohl bevor ich ihn noch einmal gegenlese könnte ich kurz durch Facebook scrollen… morgen ist ja auch noch ein Tag.

 

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