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Der Konstruktivismus ist eine philosophische Denkweise, die im 20. Jahrhundert aufgekommen ist. Der Kern des radikalen Konstruktivismus ist die Annahme, dass es keine objektive Realität als solches geben kann. Weil die Realität nie unabhängig vom Beobachter ist. Jedem von uns ist es also nur möglich, persönliche und subjektive Ansichten von der Umwelt zu erlangen. Diese sind von unseren individuellen Glaubenssätzen und Erfahrungen geprägt. Anders ausgedrückt bedeutet das: Wir kreieren uns unsere eigene Realität.

„Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners.“

Heinz von Förster

Wenn eine Person also den Glaubenssatz „Ich bin nicht gut genug“ in sich trägt, dann ist ihre Realität dadurch stark geprägt. In ihrer Realität findet die Person immer wieder die Bestätigung dieses Satzes. Anders ist es, wenn eine Person starkes Grundvertrauen in sich und das Leben hat. Deren Realität sieht ganz anders aus. Auch wenn diese beiden Personen, mit sehr unterschiedlichen Auffassungen, einen sehr ähnlichen Tag erleben, liegt allein schon in der subjektiven Bewertung ein großer Unterschied. Zusätzlich suchen wir nach Erlebtem, das unsere Ansichten bestätigt. 

Die Prophezeiung des Ereignisses führt zum Ereignis der Prophezeiung.

Paul Watzlawick

Was hinzu kommt: Wir sind alle in Gruppen und die Gesellschaft eingebettet. Diesen Aspekt hebt der soziale Konstruktivismus hervor. Erfahrungen und Ansichten sind also auch von sozialen Interaktionen und gesellschaftliche Normen geprägt. Wir sind also auch von der Kultur und der Gesellschaft, in der wir leben, beeinflusst.

Das systemische Coaching, das aktuell die vorherrschende Coaching-Richtung ist, basiert auf dem konstruktivistischen Denken. Bei so einem Coaching geht es beispielsweise darum, von einer „Problemtrance“ in eine „Lösungstrance“ zu kommen. Vor lauter Problem, sehen wir oft die Lösung nicht.

Wichtige Vertreter des Konstruktivismus waren Paul Watzlawick (Psychotherapeut und Autor, Buch: Anleitung zum Unglücklichsein) oder Heinz von Förster (Physiker, Kybernetiker, Philosoph). 

Was hat der Konstruktivismus mit dir und deinem Weg zu tun?

1. Das Bild, das ich von der Realität habe ist von mir selbst geprägt

Das Erkennen der konstruktivistischen Zusammenhänge ist ein wichtiger Schritt auf dem Weg der Selbsterkenntnis. Um mich und die Welt reflektieren zu können, muss ich erkennen, dass meine eigene Wahrnehmung von mir selbst geprägt ist. Sie entspricht nicht der Wahrheit. Denn es gibt so viele Wahrheiten, wie Menschen auf der Welt. So kann ich erkennen, dass ein geändertes inneres Bild auch zu einem geänderten Bild im Außen führt. Ich habe also die Wahl, wie ich Dinge sehe. Und hier liegt auch mein Hebel etwas zu verändern.

2. Andere Menschen leben in einer anderen Realität, die ich wahrscheinlich nie vollkommen fassen kann. 

Wir sind sehr schnell darin, über andere zu urteilen und doch haben wir die Welt nie auch nur einen Tag mit ihren Augen gesehen. Für wirkliches Verstehen, ist es wichtig Fragen zu stellen und zuzuhören. Als Coach ist es beispielsweise essentiell, nicht voreilig Schlüsse zu ziehen und den Klienten so in eine Richtung zu lenken. Eine Richtung, die möglicherweise mehr aus dem Verständnis des Coaches herauskommt, als aus dem des Klienten.

„Wenn du nicht 1000 Meilen in den Mokassins des anderen gegangen bist, hast du kein Recht, über ihn zu urteilen.“

(Weisheit aus Nordamerika) 

Auch wenn andere mich verurteilen, so ist dies immer von ihrem Standpunkt aus zu werten. So sagt ihr Urteil häufig mehr über sie aus, als über mich. Das hilft negatives Feedback von anderen zu relativieren und richtig einzuordnen.

3. Ich erkenne, dass nur ich selbst Veränderungen in meinem Leben initiieren kann. 

Diese Erkenntnis verleiht sehr viel Macht, da ich die eigene Verantwortung akzeptiere. Allein schon meine Wahrnehmung von der Welt bringt Veränderung. Denn so beginne ich auf ganz andere Dinge zu achten. Wenn ich es schaffe meine Gedanken in eine andere Richtung als die gewohnte zu steuern, dann passt sich auch das Erlebte meiner neuen inneren Welt an. Hierauf zielen beispielsweise auch positive Affirmationen oder ein Dankbarkeitstagebuch ab.

4. Ich sage Stop: Das Grübeln über meine Probleme bringt mich der Lösung nicht näher.

Anstatt dem permanenten Problem-wälzen, entscheide ich mich bewusst auf das Positive und meine Ressourcen zu konzentrieren. Ressourcen im Sinne von – wo liegen meine Stärken, was mache ich bereits gut, in welchen Bereichen habe ich Erfolge? So verändert sich mein Fokus und auch so “konstruiere” ich mir eine andere Welt. Denn irgendeine Welt konstruiere ich mir immer. Ich habe es in der Hand, ob diese eher positiv oder negativ geprägt ist. Steve de Shazer, einer der Begründer des systemischen Coachings hat es treffend so formuliert:

Problem talk creates problems, solution talk creates solutions.

Steve de Shazer
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