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Das hört sich jetzt vielleicht ein bisschen “crazy” an: Vor ein paar Jahren als ich die Morgenseiten zum ersten Mal schrieb, bin ich in der Straßenbahn gesessen und hörte plötzlich eine Stimme. Es war so etwas wie meine eigene innere Stimme. Sie hat mir leise zugeflüstert. Ich kann mich an das Gefühl erinnern. Es war wie angebunden sein. Mit meinem Inneren. 

Deshalb habe ich beschlossen, das Jahr 2021 mit einer 30-Tage-Morgenseiten-Challenge zu starten. Und wieder: Die Verbindung zu mir selbst und meiner eigenen Kreativität vertieft sich mit jedem Tag. Und das ist genau das, worum es bei den Morgenseiten geht. Es ist eine Methode aus dem Buch: “Der Weg des Künstlers” von Julia Cameron. Und dieses Hören der inneren Stimme  ist auch das Geschenk, welches dir die Morgenseiten machen können – und genau darum geht es in diesem Artikel.

Was sind die Morgenseiten?

Die Morgenseiten sind eine Kreativmethode aus dem Buch „Der Weg des Künstlers“ von Julia Cameron. Es sind drei A4-Seiten freies Schreiben. Frei, d.h. alles aufschreiben, was kommt, ohne es zu bewerten und ohne auf ein bestimmtes Ergebnis zu hoffen. Zeitlich solltest du es direkt nach dem Aufstehen machen, da du da noch in einer Art meditativen Zustand bist. Ich brauche dafür ca. 15-20 min.

Die Morgenseiten bringen uns wirklich auf die andere Seite: die andere Seite unserer Angst, unserer Negativität, unserer Launen. Und, was am wichtigsten ist, mit ihrer Hilfe lassen wir den inneren Zensor hinter uns.

Julia Cameron (In: Der Weg des Künstlers)

Alternativ zu den Morgenseiten, kannst du auch einfach einmal mit dem freien Schreiben starten. Diese Methode des Freewriting geht auf Ken Macrorie zurück. Du kannst dir z.B. eine gewisse Zeit (5/10/15min) für das freie Schreiben vornehmen und dir einen Wecker stellen. Vor allem, wenn dir  3 Seiten so viel vorkommen. Zeitlich bist du natürlich auch frei, es am Abend zu machen, wenn das besser passt. Wie bei allem – mach es zu DEINEM.

Julia Cameron empfiehlt in ihrem Buch die drei Seiten konsequent zu schreiben. Sie Schreibt z.B. von Menschen, die über die Morgenseiten auf ihren Protagonisten gestoßen sind und die ihre Kreativität in den unterschiedlichsten Bereichen noch mehr entfalten konnten.

Für wen sind die Morgenseiten?

Um gleich alle Widerstände aufzulösen: Nein, die Morgenseiten sind nicht alleine für Schriftsteller und auch nicht allein für Menschen, die sich „Künstler“ nennen. Sie sind für alle. Weil wir alle diesen Künstler in uns tragen. Ich denke, am besten passt es zu Menschen, die einfach die Lust verspüren sich selbst besser kennenzulernen. Menschen, die wachsen wollen und kreativ sein wollen. Wenn du dich dazuzählst. Jump in!

Warum sind die Morgenseiten ein Geschenk?

Ich habe nach ein paar Jahren nun wieder 30 Tage Morgenseiten hinter mir. Und – surprise, surprise – ich will es weiter jeden Tag tun. Es bringt mir einfach so viel Selbstreflexion und auch Kreativität. Und dabei ist es natürlich, wie bei allem, jeder macht seine eigene Erfahrung.

Konkret habe ich für mich die folgenden Vorteile daraus gezogen. Nicht alle bei jeder Session aber mal das eine, mal das andere. Und ich will nicht verheimlichen: An manchen Morgen ist es auch einfach nur eine zähe Geschichte, die sich nicht entfalten mag.

1. Selbstreflexion: Gedanken loslassen und umformen

Julia Cameron nennt es „Gehirnentleerung“. Also alle Gedanken einfach rauslassen, egal was kommt, damit du dann bereit bist für die Kreativität. Und das war bei mir auch so. Manchmal habe ich die drei Seiten nur mit nervigen Gedanken gefüllt. Hab reflektiert, warum ich etwas in meinen Augen falsch gesagt oder getan habe. Oder habe mich über andere geärgert. Und manchmal bin ich auch während der Morgenseiten dazu gekommen, die Geschichte umzukehren. Ich habe mir selbst Mitgefühl gegeben, habe mir Mut zugesprochen und ich habe meine eigene Sichtweise hinterfragt.

An Tag 1 notiere ich mir Folgendes: Den Stift einfach laufen gelassen. Ganz egal was kommt. Und was kommt sind viele Gedanken, die mir aufzeigen wie stark mein innerer Zensor ist. Mit mir und mit anderen. Einfach alles rauslassen. Das tut gut. Und je mehr ich schreibe desto leiser wird der Zensor, mit mir, mit meinem Leben, mit allem. 

2. Klarheit: Meine innere Stimme zu Papier bringen

In den Morgenseiten habe ich es mir angewöhnt, mir selbst fragen zu stellen und dabei keine Antwort zu erwarten. Was dann kommt ist deshalb manchmal überraschend und manchmal bringt es mich aus meiner Komfortzone. Das ist eine Art Befragung meines Selbst. Und zu dem haben wir ja manchmal den Zugang verloren. Manchmal scheinen wir einfach nicht die Antwort auf Fragen zu wissen, die uns interessieren – z.B. Was ist denn nun der nächste “richtige” Schritt? Die Antworten kommen beim Schreiben und auch während des Tages.

Darauf zu vertrauen, dass die Antworten kommen, hilft mir positiv zu sein. Diesen Zugang zur inneren Stimme, können einem auch die Morgenseiten ermöglichen. Das kann in der ersten Session oder in der zehnten sein. Es kann auch sein, dass du den Zugang zu deiner Stimme außerhalb der Morgenseiten findest, so wie ich es damals vor drei Jahren getan habe. 

Für die Befragung deines Inneren kannst du dir z.B. die folgenden Fragen stellen: Was ist heute zu tun?, Wo will ich wachsen?. Das sollte aber ganz frei und spontan kommen. Zwinge es dir selbst nicht auf sondern lass den Stift einfach ziehen.

3. Kreativität: Mir kommen so viele Ideen

Julia Cameron hat geschrieben, dass sich durch die Morgenseiten einiges im Leben ändern kann. Auch für die, die zuerst eine Abwehrhaltung einnehmen. Seit ich die Morgenseiten schreibe, kommen mehr und mehr Ideen. Ich selbst habe mich verändert. Denn ich gehe einfach wie selbstverständlich davon aus, dass ich Ideen habe. Mit dem Gedanken – “Ich bin doch kein Künstler und kreativ schon gar nicht” will ich mich nicht mehr herumschlagen. Ich glaube mittlerweile nicht mehr, dass Kreativität etwas für Auserlesene ist. Was ich glaube ist, dass wenn ich es zulasse, dann bin ich kreativ. Und das gilt für jeden.

4. Meditation: Verbindung zum Universum

Meditation ist für mich nicht allein sich hinsetzen und still sitzen. Seit ich längere Zeit in Indien – der Geburtsstätte der Meditation – verbracht habe, weiß ich, dass die Meditation sich über das ganze Leben ausbreitet. Wenn man sich dazu entscheidet. So nehme ich auch die Morgenseiten als Teil meiner Meditationspraxis wahr. Sie verbinden mich mit dem Universum, denn ich habe das Gefühl, dass nicht allein ich schreibe und antworte, sondern, dass sich teilweise so etwas wie Magie zeigt. Das meine Hände und der Stift von einer anderen Macht übernommen werden. Und das ist es ja auch, wovon viele Künstler berichten. Das ist der Schaffensprozess im Einklang mit Allem. Wenn es sich so anfühlt, als würde etwas anderes übernehmen. Dann läuft es. Dann bist du im Flow.

Ich freue mich, wenn dir der Artikel gefallen hat. Melde dich gerne bei Fragen oder verlinke mich auf Instagram wenn du über deine eigene Morgenseiten-Praxis berichtest. Ich freue mich von dir zur lesen!

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