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Wenn ich mal einen schlechten Tag habe, träume ich mich oft an einen anderen Ort. Dann wandere ich in Gedanken noch einmal durch die schroffen Alpen Österreichs, fahre mit dem Roller durch den wilden thailändischen Dschungel oder bade im türkisblauen Meer mit Blick auf die malerische Felsküste an der portugiesischen Algarve. Und schwups – geht es mir wieder ein bisschen besser. 

Ja, Reisen haben eine wahrlich heilsame Wirkung. Aber wie sehr es uns bereichert, die Welt zu erkunden, das habe ich erst im letzten Jahr so richtig erkannt. Denn durch die Pandemie mussten wir lernen, dass vieles in unserem Leben nicht so selbstverständlich ist, wie es sich manchmal anfühlt. Normalerweise gehöre ich nämlich zu den Menschen, die gar nicht oft und lange genug unterwegs sein können. Diese Euphorie bei der Urlaubsplanung, die aufgeregte Neugierde, auf das, was mich erwartet und die vielen Eindrücke unterwegs erfüllen mich einfach mit tiefer Freude. Im Moment verbinde ich – wie viele andere Menschen auch – Reisen allerdings mehr mit Sehnsucht. 

Meine Bucket-List ist endlos

Dabei habe ich noch so viel vor: Nordlichter-Jagd in Skandinavien, Safari in Namibia, Entspannen auf den Malediven und, und, und… Meine Bucket-List ist so lang, dass ich quasi jetzt schon Zeitprobleme habe, wenn ich hinter jeden Punkt darauf einen Haken setzen möchte. Mein Wunsch ist es aber, im Alter irgendwann gemeinsam mit meinem Mann und unseren Enkelkindern auf eine Weltkarte schauen zu können und ihnen von unseren Abenteuern erzählen zu können. 

„Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben.“

Kurt Tucholsky

Aber warum begeistert mich das Reisen eigentlich so? Diese Frage habe ich mir tatsächlich oft gestellt. Und es gibt so viele Antworten darauf. Der deutsche Schriftsteller Kurt Tucholsky sagte zum Beispiel einmal: „Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben.“ Und irgendwie bringt er damit auf den Punkt, was ich fühle. Denn nur auf Reisen habe ich das Gefühl, wirklich bei mir zu sein und mich gleichzeitig immer wieder neu kennenzulernen. 

Auf Reisen habe ich das Gefühl, wirklich bei mir zu sein und mich gleichzeitig immer wieder neu kennenzulernen

Sobald ich von Zuhause in die weite Welt aufbreche, werde ich mutiger, selbstbewusster und offener – für neue Begegnungen und Erfahrungen. Und aus meinem eher introvertierten Ich wird plötzlich ein draufgängerisches Abenteuer. Jeder Tag im Urlaub beginnt dann mit einem wohligen Mischung aus Freiheit, Lebendigkeit und Vorfreude auf alles, was kommt.

Und dann tue ich Dinge, an die ich in der Heimat nicht einmal denken würde: Mit einem Motor-Bike durch die Wüste brettern, an Felswänden hochklettern oder auf einem wackeligen Blech-Boot von einer thailändischen Insel zur nächsten schippern. Zugegeben: Im Nachhinein kommen mir all diese Erlebnisse fast surreal vor. Zurück in meinem gemütlichen Wohnzimmer kann ich es manchmal nicht glauben, dass wirklich ich all das erlebt habe. Aber dann merke ich immer etwas Spannendes: An jedem einzelnen dieser Abenteuer bin ich innerlich gewachsen. 

Ein Ort, der mich zu Tränen rührt 

Und obwohl mich ein Sonnenuntergang, die Berge und das Meer auch von Zuhause aus emotional berühren, hat es bisher nur ein einziger Ort geschafft, alleine durch seine unglaubliche Energie, mich zu Tränen zu rühren: Der Leuchtturm im portugiesischen Küstenort Sagres. Von dort aus hast du eine Aussicht über die riesige Felswand und das offene Meer. Für mich das reinste Ende-der-Welt-Feeling.

Sagres, Portugal

Was ich von dieser Reise zum Beispiel mit nach Hause genommen habe, ist ein sehr erfüllendes Gefühl. Nämlich die Gewissheit, Teil von etwas Größerem zu sein. Im Vergleich zu dieser gigantischen Klippe und dem gefühlt unendlichen Meer kommen einem die eigenen Probleme nämlich auf einmal so banal und lösbar vor. Jedes Mal, wenn ich jetzt auch nur an diesen magischen Ort zurückdenke, hüpft mein Herz gefühlt ein bisschen höher. 

Längeres Leben, Erinnerungen und fröhliche Sprachen 

Okay, ich denke eines sollte klar geworden sein: Ich bin ein großer Freund vom Reisen. Dabei sind regelmäßige Ferien für jeden von uns wahrer Balsam für die Seele. Nicht umsonst gibt es mit der Reisepsychologie mittlerweile sogar einen extra Forschungsbereich für die Auswirkungen von Urlaub auf uns und sogar erste Therapieangebote mit dem Fokus auf das Reisen. 

Falls meine Schwärmerei dich noch nicht von Reisen als Glücks-Garant überzeugt haben, möchte ich dir hier noch ein paar Erkenntnisse aus der Wissenschaft mitgeben, die mich persönlich sehr begeistert haben.

Erkenntnisse aus der Wissenschaft

  1. Reisen verlängert das Leben: Wer regelmäßig Urlaub macht, der tut damit auch seinem Herzen etwas Gutes und senkt sein Stresslevel erheblich. Zumindest dann, wenn der Urlaub mit deinen inneren Werten übereinstimmt. Wenn du allerdings am Strand arbeitest oder aus Gruppenzwang Partyurlaub machst, dann kannst du eher weniger auf positive Effekte hoffen. 
  2. Geld alleine macht nicht glücklich – du musst es schon für Reisen (oder andere Erlebnisse)  ausgeben. Mehr muss ich dazu eigentlich auch nicht sagen, oder?:) 
  3. Langer Urlaub macht mehr Sinn. Das liegt ganz einfach daran, dass die Erholung erst nach etwa acht Tagen einsetzt. Und es wäre ja ärgerlich, wenn wir dann sofort wieder zurück in den stressigen Alltag fliegen würden. 
  4. Reisen macht Toleranter: Wenn wir also alle öfter Reisen würden, dann wäre vielleicht sogar unsere Gesellschaft eine glücklichere. 
  5. Erinnerungen sind schöner als die Reise selbst. Wir malen uns unsere Urlaube also im Nachhinein oft schöner aus, als sie tatsächlich waren – und können damit auch noch lange davon zehren. (Gute Nachrichten für die Zeit im Lockdown, wenn du mich fragst ) Aber: Wenn du die Achtsamkeit mit auf Reisen nimmst, dann erlebst du auch schon im Urlaub eine intensive Zeit, die deine Erinnerungen vielleicht garnicht mehr aufpeppen müssen. 
  6. Spanisch ist die fröhlichste Sprache der Welt. Danach folgt portugiesisch und englisch. Kein Wunder also, dass Urlaub in Spanien, Portugal oder Australien so happy macht. 

Übrigens: Sogar ein Ratschlag des Dalai Lama lautet: „Einmal im Jahr solltest du einen Ort besuchen, an dem du noch nie warst.“ Und ich weiß ja nicht, wie es mir dir ist – aber für mich gehört Reisen zu einem glücklichen und selbstbestimmten Leben einfach dazu. Also nehme ich mir auch den Ratschlag des Dalai Lama zu Herzen und bin in Gedanken schon wieder in der Welt unterwegs – und wer weiß, vielleicht finde ich mich ja irgendwo sogar selbst. 

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