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Hast du manchmal das Gefühl nicht in diese Welt zu passen? Es hat mich nachdenklich gemacht – eines der Zitate, das auf dem Instagram Account von edition glück am meisten Beachtung gefunden hat, ist: „Wer nicht in die Welt zu passen scheint, der ist immer nahe dran, sich selbst zu finden.“

Das Zitat von Hermann Hesse ist schon bei unter 500 Followern, durch die Decke gegangen. Jetzt mit dreimal so vielen Followern, habe ich den Spruch noch einmal gepostet. Und wieder ist es einer der erfolgreichsten Posts, bei Likes und Beteiligung.

Viele Menschen haben das Gefühl, nicht in diese Welt zu passen

Was sagt das über uns und die Welt, in der wir leben, aus? Ich denke, dass es viele Menschen gibt, die das Gefühl haben, nicht in diese Welt zu passen. Sie fühlen sich fremd. Der Umkehrschluss ist, dass wir im Grunde gar nicht so fremd sind. Aber nicht wissen, dass es den anderen genauso geht. Doch warum ist das so.

Einerseits entsprechen die Strukturen, die wir Menschen geschaffen haben, zu einem großen Teil nicht der menschlichen Natur. Vor dem Hintergrund dieser Strukturen, die die Rahmenbedingungen der Welt, wie wir sie kennen, darstellen, fühlen wir uns fremd. Diese Strukturen zwingen uns in ein Korsett, in eine Denkart, die nicht unserer eigentlichen, unserer natürlichen Art entspricht.

Die Strukturen, die wir geschaffen haben, entsprechen nicht der menschlichen Natur.

Andererseits haben wir gelernt, Gefühle des Fremdseins zu verleugnen und uns anzupassen. Andersartigkeit wird mit Alleinsein gleichgestellt. Beides hat in unserer Wahrnehmung keinen oder einen geringen Wert. Wir lehnen das Andersein ab und lassen es nur in einem beschränkten Maße zu. Aber wie wir wissen, alles was wir unterdrücken, schlummert in uns und es kommt hoch – zum Beispiel wenn wir auf Instagram einer Wahrheit begegnen, die ins Schwarze trifft.

Wenn du frei sein willst, freunde dich mit dem Gefühl an, ein Fremder zu sein.

Das Problem am Verleugnen ist, dass dann alles so bleibt wie es ist. Also auch die Strukturen an sich. Strukturen, die uns permanent in Relation zueinander setzen. Strukturen, die uns Zeitdruck und Leistungsdruck suggerieren. Strukturen, in denen es eine Auszeichnung ist, permanent im Stress zu sein. Strukturen, die von Werten wie Wettbewerb, Macht und Durchsetzungsfähigkeit geprägt sind.

Ja – diese Werte gehören gewiss zu uns. Es ist der männliche Anteil in uns, den Männer und Frauen, also beide Geschlechter, in sich tragen. Doch wir setzen eben zu sehr auf diesen männlichen Anteil. Weil es dieser Anteil ist es, der uns, in diesem gegenwärtigen System, weiterzubringen scheint.

Wir setzen zu sehr auf den männlichen Anteil in uns. Weil es der Anteil ist, der uns im gegenwärtigen System weiterzubringen scheint.

Aber ist es nicht auch in der Tier- und Pflanzenwelt so, dass der Stärkere über den Schwächeren siegt. Sind wir nicht auch Tiere, die diesem tierischen Spiel einfach folgen? Einem Spiel, das in uns angelegt ist. Ja – aber wir übertreiben es.

Ein Tiger jagt, aber einen Großteil seines Lebens verbringt er schlafend im Schatten eines Baumes.

Ein Tiger jagt. Er kämpft und verausgabt sich – aber nicht permanent. Einen Großteil seiner Lebenszeit verbringt er schlafend im Schatten eines Baumes. Das ist sie – die feminine Seite, der wir gegenwärtig einen geringschätzenden Wert zukommen lassen. Die maskuline und die feminine Seite und ihre jeweiligen Eigenheiten gehören zu uns. In einer Gesellschaft, in der eine Seite übervorteilt wird, fühlen wir uns fremd, weil wir nicht wir selbst sein können. Es uns nicht erlauben.

In einer Gesellschaft, in der eine Seite – die maskuline oder die feminine – übervorteilt wird, fühlen wir uns fremd.

Die Folgen können wir sehen – zum Beispiel in erhöhte Burnout-Raten. Die Menschen haben das Gefühl nicht dazu zu passen. Sie kämpfen gegen dieses Gefühl an, doch irgendwann holt es ein.

Wenn wir ganz sein wollen, sollten wir das Weibliche in uns preisen. Frauen wie Männer.

Wenn wir ganz sein wollen, sollten wir das Weibliche in uns preisen. Frauen wie Männer. Wir könnten den Müßiggang endlich als größte Innovationsquelle huldigen. Das Recht auf Nichtstun anerkennen. Dem Nachgebendem, den höchsten Rang zugestehen.

Dann haben wir und alles in uns eine Chance.

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