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Wie schön wäre eine Welt ohne patriarchale Strukturen? Wenn wir endlich der weiblichen Energie in uns mehr Raum geben würden? Es wäre eine freiere Welt für uns alle – Frauen wie Männer. 

Als ich noch in einem internationalen Konzern gearbeitet habe, hatte ich ein Erstgespräch mit einem Coach. Die Beraterin hat 45 min mit mir gesprochen und mir ziemlich den Kopf gewaschen.

Wenn ich in dem Konzern Karriere machen möchte, dann müsse ich so einiges ablegen: Die Frage nach dem Sinn, meine Spiritualität, mein Hinterfragen. Ich solle mich macht-orientiert kleiden. Mir meine Kleidung wie eine Ritterrüstung anlegen und eine perfekte Rolle spielen. 

Es sei ihr in ihrer Arbeit klar geworden, dass die meisten Menschen unter dem Klima in Konzernen leiden, aber es gilt eben all die Sinn-Fragen beiseite zu schieben. Vor allem Frauen müssen endlich lernen, wie es eben in der Wirtschaft läuft.

Ich habe es damals ein paar Monate genauso probiert. Habe mich selbst verleugnet, um mich endlich gut zu fühlen. Gut in einem Umfeld, für das ich nicht geschaffen war. In einem Umfeld, das von Männern geschaffen wurde. 

Geendet hat das Ganze mit meiner Entscheidung zu kündigen. Ich bin der Beraterin heute dankbar. Sie hat mir gezeigt, dass ich nur als jemand anderer oder als besserer „Mann“ in so einem Konzern Karriere machen kann. Und sie hat den Prozess, mich gegen so eine Art von Karriere zu entscheiden, beschleunigt. 

Nun ist das meine persönliche Erfahrung. Aber es ist eine Erfahrung, die mir auch in meinem Umkreis von anderen Frauen bestätigt wurde. Und ich habe immer wieder darüber gelesen (siehe auch dieser Artikel im SZ Magazin von Teresa Brückner, oder Artikel zu Glassceiling, Gehaltsunterschieden etc.). Deshalb ist es zu wenig, das als eine individuelle/persönliche Erfahrung stehen zu lassen. 

Wir Frauen sollen mehr wie Männer werden, damit wir erfolgreich sind? Ernsthaft? Nein danke. Ich träume von einer anderen Zukunft.

Wenn ich von der verratenen Weiblichkeit schreibe, dann ist das kein Vorwurf an den männlichen Teil der Erdbevölkerung. Wir alle sind daran beteiligt – Männer und Frauen. Wir huldigen die männlichen Qualitäten, während wir die Weiblichen abtun. Das System zwingt uns dazu, wenn wir erfolgreich sein wollen. Das wird uns so nicht weiterbringen.

Was sind nun diese männlichen und weiblichen Qualitäten. Es ist nicht das eine besser oder schlechter. Typische weibliche Qualitäten sind Empfänglichkeit, Offenheit, Kreativität, Mitgefühl, Intuition und Verletzlichkeit. Typische männliche Qualitäten sind Durchsetzungskraft, Klarheit, Tatkraft und Analyse. Das bedeutet nicht, dass ein Mann nicht auch weibliche bzw. eine Frau nicht auch männliche Qualitäten hat. 

Wir leben in einer Welt, in der vor allem die männlichen Qualitäten anerkannt werden.

Unser Wirtschaftssystem ist vor allem auf Wettbewerb und Macht ausgerichtet. Beides wird genutzt, um Menschen dazu zu bringen, im System zu funktionieren. Dinge zu tun, die sie vielleicht gar nicht tun wollen.

Nun, leben wir in herausfordernden Zeiten, in der es neue Ansätze braucht (die Klimakrise; Künstliche Intelligenz, die eine Vielzahl an Arbeitsplätzen verändern wird). Wir können nicht mehr auf den weiblichen Teil in uns und auf den weiblichen Teil der Weltbevölkerung verzichten. Und abgesehen davon: Wir wollen auch nicht mehr darauf verzichten. Wir bestehen darauf.

Es ist an der Zeit: Das Patriachat endet.

Die patriarchalen Strukturen sind Vergangenheit. Und lasst uns jetzt träumen. Unsere Welt ist eine andere. Freier für uns alle – Frauen sowie Männer – und offener.

Weibliche und männliche Fähigkeiten und Energien werden gleichermaßen anerkannt. Wir beginnen das Weibliche in uns zu feiern – die Kreativität, die Inspiration, die Empfänglichkeit. Feminismus braucht es nicht mehr. Männern weichen Frauen auf der Straße genauso aus wie umgekehrt. Überall finden sich Frauen – an der Spitze der großen Wirtschaftskonzernen sowie an der Spitze von allen Ländern. Allein das hat schon alles verändert. Starre Hierarchien, so wie wir sie jetzt noch kennen, existieren nicht mehr. Kleine Mädchen und kleine Buben sehen Vorbilder überall in unserer Gesellschaft. Alles ist für sie möglich.

Die Menschen arbeiten weniger. Die 40-Stunden-Woche ist Geschichte. Frauen müssen nicht mehr Angst haben in der Nacht durch einen Park zu gehen. Frauen werden nicht mehr unterdrückt. Ja, auch die durch-die-patriarchalen-Strukturen-unterstützte Gewalt an Frauen gehört der Vergangenheit an.

Kleine Buben dürfen rosarote Kleider tragen und lange Zöpfe. Kleine Mädchen werden nicht mehr als aufmüpfig oder zickig bezeichnet, wenn sie ihren Führungsanspruch stellen. Das Familienleben nach einer strikten Rollenverteilung wird nicht mehr verherrlicht. Wir sind frei.

The world will be saved by the Western woman.

Dalai Lama 

Vor kurzem ist mir dieses Zitat untergekommen. Das fühlt sich sehr stark und wie eine Wahrheit an. Denn wer sonst, sollte diese Welt in ein neues Zeitalter, in das Zeitalter der Heilung begleiten? Alte weiße Männer – entschuldigt bitte die Polemik – werden es nicht sein. Denn sie haben uns hierher gebracht.

Was es braucht, sind Frauen, die zu sich stehen.

Frauen, die sich eine neue Welt erschaffen. Eine Welt, die dann auch andere anspornt, das zu tun. Eine Welt, die nicht mehr Wettbewerb und Macht bedeutet. Eine Welt, in der auch Intuition und Empathie zählen und nicht als Hippie-Qualitäten abgetan werden. Das wird die Konzernstrukturen und politischen Hierarchien erschüttern. Und das wird sich in alle Beziehungen und Familien hineinziehen. Ein Zwischen-den-Geschlechtern gibt es dann nur mehr auf Augenhöhe. 

Deshalb fangen wir jetzt an. Machen wir unsere Mädchen zu starken Frauen und unsere Jungen zu starken Männern. Zu Menschen, die niemanden unterwerfen müssen, um sich selbst groß zu fühlen. Menschen, die sich nicht unterwerfen lassen. Von nichts und niemandem. Träumen wir von einer Welt, in der für ein Mädchen alles möglich ist. Männer, habt keine Angst. Es geht um eine Welt, die für alle lebenswerter und humaner ist.

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