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Warum es auch etwas Positives in dein Leben bringen kann, wenn du eine  Phase des Leids durchlebst. Vor allem wenn du lernst die bequeme Opferrolle aufzugeben und erkennst, dass es sich sehr oft um selbsterschaffenes Leid handelt. Du fragst dich dann “Was will mir das Leben gerade zeigen?” – anstatt – “Warum passiert das gerade mir”.

„Wir sträuben uns gegen das Leiden. Wer aber möchte nicht gelitten haben?“

Marie von Ebner-Eschenbach

Vor kurzem habe ich das Zitat von Marie von Ebner-Eschenbach gelesen – „Wir sträuben uns gegen das Leiden. Wer aber möchte nicht gelitten haben?“. Das hat mich zum Nachdenken gebracht. Was genau am Leiden ist gut? Warum möchten wir es doch irgendwie zu unseren Erfahrungen zählen?

Leid kann einen Schub an Motivation auslösen, wenn man sich nicht in die wohlige Opferrolle zurückzieht. Wenn man an einem Tiefpunkt in seinem Leben ankommt, setzt man sich mit dem Thema, ein besseres Leben zu führen, auseinander. Das Leid ist die Antriebsfeder des Menschen darüber zu reflektieren, was ein gutes Leben überhaupt bedeutet. Fragen treten in das Bewusstsein, die davor nicht beachtet wurden.

Eine Phase des Leids kann eine Antriebsfeder sein, sich bewusst mit dem Leben auseinanderzusetzen.

Ich denke, dass es die Ausschläge sind, die einen zum Nachdenken und letztendlich auch zur Veränderung auffordern. Doch wie bringen uns diese schwarzen Momente dazu umzudenken oder uns auf den Weg aufzumachen?

Indem wir uns tief im Inneren klarmachen, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt. Eine ist es Abstürzen. In Ablenkung. In Drogen. In noch mehr Schwärze. Die zweite Möglichkeit ist die Veränderung. Das Umkrempeln unseres aktuellen Lebens. Es loszulassen und neu zu denken. Nicht nur unsere schlechten Gewohnheiten, auch alles was wir denken und zu wissen glauben.

Gibt es Menschen, die nie gelitten haben? Wahrscheinlich nicht. Der Urschmerz des Menschen, passiert am Tag seiner Geburt. Mit Erschütterungen mussten wir den wohlig warmen Mutterleib verlassen. So stelle ich es mir jedenfalls vor. Doch das Vertrauen des Säuglings scheint noch so groß, dass für ihn das Neue nicht zu bedrohlich ist.

Die gesellschaftlichen Strukturen zwingen uns dazu uns selbst zu verleugnen. Das verursacht Schmerz.

Wir wachsen auf und müssen uns an diese Gesellschaft anpassen. Schon allein das verursacht Schmerz. Wir erfüllen die oft auch unbewussten Erwartungen unserer Eltern nicht und fühlen uns schuldig.  Fügen sogar anderen Menschen Leid zu, weil sie mit der Welt, die wir in unserem Kopf verankert haben, nicht übereinstimmen.

Wir alle sind von unserer Natur aus anders, als es diese Gesellschaftsstruktur von uns abverlangt (schau dir zu dem Thema das Buch “Haben oder Sein” von Erich Fromm an). Dieses Unfrei-Sein an sich, verursacht inneres Leid. Weil wir uns selbst verleugnen. Daraus entsteht das Bedürfnis zu kompensieren. Wir konsumieren um uns von dem Leid abzuwenden, das uns ein Leben lang zuteilwird. Es gibt eine kurze Erleichterung. Doch diese freudigen Momente münden doch wieder in das Gegenteil. Die ersehnte Befreiung kann nicht stattfinden. Aufs und Abs sind ein Gegenspiel, das es zu bezwingen gilt.

Akzeptiere, dass es im Leben auf- und abgeht. Das ist der erste Schritt in Richtung Befreiung.

Wichtig ist es zu verstehen und zu akzeptieren, dass das Leben aus Aufs und Abs besteht (sofern man nicht die Stufe der Erleuchtung erreicht hat). Ein Fall von einer Hochphase in eine Phase des Leids, kann einen  schwer treffen, wenn man nicht darauf vorbereitet ist. In einer Tiefphase, sollte man das Vertrauen haben, dass es wieder bergauf geht. Wenn man sich dessen bewusst ist und dieses Gegenspiel bewusst beobachtet, dann ist man auf einem guten Weg die eigene Resilienz zu stärken.

Im nächsten Schritt sollte man sich klar zu machen, dass mit einer bewussten Lebensführung dieses Gegenspiel von Hoch und Tief überwunden werden kann. Wenn man wahrhaft aufwacht, was grundsätzlich für uns alle möglich ist, dann fühlt sich das Leben ausgeglichen an. Es ist ein Gefühl der Stille und der universellen Weisheit. Doch bis zu diesem Punkt ist der Weg gesäumt von Leid und Freude in gleichem Maße.

Das Leid gehört zum Leben und es ist eines der Geheimnisse, die wir am Weg der Wahrheit lösen müssen.

Die Selbstreflektion, die vor allem in Phasen des Leidens initiiert wird, ist oftmals das, was wir brauchen, um klarer sehen zu können. Es ist die intensive Beschäftigung mit dem Selbst, die uns lehrt, wie wir das Gegenspiel von Freud und Leid überwinden können.

So verstehe ich auch die Frage – „Wer aber möchte nicht gelitten haben?“. Es ist eines der Geheimnisse, die wir alle in uns tragen und das es zu lösen gilt.

Lösen können wir es dann, wenn wir begreifen, dass es kein Teil von uns selbst ist. Sondern genauso wie Gedanken und Gefühle durch unsere Bewusstheit wahrgenommen werden kann. In Momenten des Aufwachens sehen wir, dass wir eine tiefe Glückseeligkeit in uns tragen. Dann sind wir ganz befreit von jedem Leid.

Wunderschön und auf den Punkt bringt es  Osho:

“If you don´t escape, if you allow the suffering to be there, if you are ready to face it, if you are not trying somehow to forget it, then you are different. Suffering is there but just around you; it is not in the center, it is on the periphery. It is impossible for suffering to be in the center; it is not in the nature of things. It is always on the periphery and you are the center.

So when you allow it to happen, you don´t escape, you don´t run, you are not in a panic, suddenly you become aware that suffering is there on the periphery as if happening to someone else, not to you, and you are looking at it. A subtle joy spreads all over your being because you have realized one of the basic truths of life, that you are bliss and not suffering.”

Osho, A Bird on the Wing, Talk #1

Ich will hier nicht für Hungerleidende oder Menschen mit großen Schmerzen, physisch oder psychisch, sprechen. Wenn man Hunger leidet, liegt der Fokus immer darauf, etwas zu essen zu finden. Wenn man körperliche Schmerzen hat, dann kann man an nichts anderes denken, als daran wie man sie lindern kann. Die Basisbedürfnisse müssen erfüllt sein, damit, das was ich schreibe, irgendwie Sinn macht.

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